Der größte Pflegedienst Deutschlands

Wer ist der größte Pflegedienst Deutschland? ... die pflegenden Angehörigen!


Der größte Pflegedienst in Deutschland ist leise, aufopfernd und immer bereit. 4,8 Millionen Menschen in Deutschland pflegen ihre Angehörigen. Das Robert Koch Institut geht davon aus, dass 7% aller Erwachsenen regelmäßig ein Familienmitglied pflegen. Frauen übernehmen dabei häufiger die Pflegearbeit. Doch man kann sehen, dass immer mehr Männer diese Aufgaben in Familien übernehmen. 35% aller pflegenden Angehörigen sind Männer. Tendenz steigend. Ein Drittel der pflegenden Angehörigen sind täglich etwa 2 Stunden mit der Pflege beschäftigt.


Wie aber wird man ein pflegender Angehöriger?

Hinter dieser Frage stehen unzählige individuelle Geschichten. Einige Menschen stehen ganz plötzlich vor der Situation, ein Familienmitglied pflegen zu müssen. Zum Beispiel nach einem Unfall. Doch die meisten Menschen wachsen in die Rolle des pflegenden Angehörigen hinein. Was mit kleinen Hilfen im Haushalt beginnt, wird Stück für Stück zu einem echten Vollzeitjob. Wenn ein enges Familienmitglied wie die Großeltern, Eltern oder das eigene Kind pflegebedürftig wird, dann empfinden die meisten pflegenden

Angehörigen es als Selbstverständlichkeit, zu helfen. Liebe und Mitgefühl ist der wichtigste Antrieb für die überwältigende Mehrheit, die ihre Familienmitglieder zuhause pflegen. Rückblickend sehen auch viele Angehörige, dass sie die Pflegerolle schleichend angenommen und für sich perfektioniert haben. Niemand kennt seine Mutter, seinen Vater, sein Kind besser als man selbst. Zudem gibt es auch wenig Alternativen. Wir leben in einer alternden Gesellschaft mit einem Mangel an Pflegekräften.


"Wer, wenn nicht ich?" fragen sich viele Angehörige.



Bei dem heutigen Pflegemangel, der Alternativlosigkeit an Hilfen, bevorzugen Angehörige, selbst die Aufgabe der Pflege zu übernehmen. Ganz einfach weil sie sich so sicher sein können, dass die Arbeit so auf die beste Art und Weise erledigt wird. Dank dem Bundespflegegesetz wird die Arbeit der Angehörigen zu einem Teil anerkannt und bezahlt. Aber wenn wir einmal ganz ehrlich sind: das Sozialrecht erkennt nicht jede Mühe und nicht jeden Aufwand von Angehörigen als Pflegebedarf an! Die vielen Überstunden an liebevollen Extramühen werden nicht gesehen. Ein Pfleger von außen hätte auch nicht die Zeit, alle seine Patienten so gut umsorgen zu können, wie es Angehörige tun. Aus diesen und vielen anderen Gründen entscheiden sich Angehörige dafür, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ein Drittel empfindet die Pflege sogar als ihre Pflicht.


Pflegende Angehörige zahlen einen hohen Tribut


Für diese Entscheidung zahlen Angehörige oft einen hohen Tribut.

Pflegende schätzen, dass ihre seelische und körperliche Gesundheit schlechter ist im Vergleich zu Nicht-Pflegenden. Viele pflegen ihre Angehörige neben der Arbeit. Oder sie geben ihre Arbeit auf. Auch können Pflegende weniger Zeit in ihre Bildung stecken oder anderen Freizeitaktivitäten. Fest steht, dass wir mit einem Mangel an Pflegekräften noch eine ganz schön lange Zeit leben müssen. Wie aber könnten wir das Leben von pflegenden Angehörigen erleichtern? Durch mehr finanzielle Wertschätzung und Unterstützung. Zum Beispiel könnte das Angebot von Pflegediensten ergänzt und vergrößert werden. Über 70% aller Pflegebedürftigen werden von Angehörigen, ambulanten Pflegediensten, bzw. einer Kombination gepflegt. Auch wir vom Fachdienst für ambulante Hilfen sehen uns als eine ergänzende Hilfe. Wir möchten Familien unterstützen, ihren Pflegealltag zu managen.


Wir denken, dass die Zukunft der Pflege in der Unterstützung der Angehörigen liegt. Schon heute pflegen die meisten Angehörigen mit der Hilfe von ambulanten Diensten. Diese Unterstützung zu erweitern, auszubauen und zu verbessern ist eine wichtige politische Aufgabe, die auch die Zukunft unserer alternden Gesellschaft bestimmen wird.



 

Quelle

Wetzstein M, Rommel A, Lange C (2015) Pflegende Angehörige – Deutschlands größter Pflegedienst Hrsg. Robert Koch – Institut, Berlin. GBE kompakt 6(3) www.rki.de/gbe–kompakt (Stand: 19.07.2016)